© litteraturverlag roland hoffmann 2011-12 Die Nebenpersonen  spielen im November 1943 in einem Film- studio vor den Toren Berlins. Eine Gruppe von Zwangsarbeitern lebt mitten im Krieg in einer Kulissen- stadt, in der die Nazis Propaganda- und Durchhaltefilme drehen. Dass diese künstlich angelegte Welt voller Illusionen selbst dann nicht zu Schaden kommt, wenn halb Berlin im Bombenhagel zerstört wird,mutet gerade- zu absurd an. Abgesehen von einem däni- schen Freiwilligen – dem Alter Ego des Autors – sind die Arbeiter zwangsrekrutierte Ausländer aus besetzten Gebieten. Obwohl ihr Aufenthalt in Berlin nicht freiwillig erfolgt, scheint sie der Krieg, der um sie herum tobt, nicht zu betreffen. Selbst ein Bombenangriff hat eher den Charakter einer privaten Irritation und stört nicht mehr als das schlechte, eintönige Essen Peter Seeberg Wie ein alter Schwarz-Weiß-Film ist dieses Buch, in dem Männer auf Betten liegen, rauchen und an die Decke starren. Anknüpfend an einen dokumentarischen Realismus, erinnert es an die Filme von Roberto Rosselini und Vittorio de Sica. Thomas Fechner-Smarsly WDR, 13.02.2010 oder die Flöhe im Bett. In einer Besprechung in der Zeitung Information vom 14.11.1956 heißt es: „Der Inhalt der Romans besteht aus einigen, meist sehr kurzen Situationsbildern, die sozusagen nie kommentiert werden. Wieder eine beinahe ‚filmische' Vorgehensweise [...] Man spürt, daß der Autor sich gegenüber seinen Personen unbestechlich objektiv und feststellend verhaltenwollte.“ Die Nebenpersonen sind kein Kriegsbuch, sondern eine Schilderung von Menschen, die als Nebenpersonen in ihrerWelt leben – abseits von der Wirklichkeit, ohnmächtig, übersehen und außerstand, sich sichtbar zu machen oder Beziehungen einzugehen. Den Menschentyp, den Peter Seeberg schildert, gab und gibt es zu allen Zeiten. Dies macht heute so aktuell wie kurz nach dem 2.Weltkrieg. Peter Seeberg Die Nebenpersonen Roman 208 Seiten ISBN 978-3-940331-02-1 € 19,90 Dieses Buch bestellen Peter Seeberg (1925 - 1999) wuchs im deutsch- dänischen Grenzland auf. Nach dem Abitur 1943 ging er für ein halbes Jahr nach Berlin, um in den UFA-Filmstudios als Kulissen- schieber zu arbeiten. Seine Hoff- nung, dort in Kontakt mit der Wirklichkeit zu kommen, wurde jedoch enttäuscht. Seeberg greift in seinen Texten immer wieder die Themen Existenz, Identität und Wirklichkeit auf. Von 1960 bis 1993 war Peter Seeberg Leiter des Stifts- museums von Viborg und nahm an Expeditionen und Ausgrabungen teil. Ab den 1970er Jahren schrieb Seeberg fast ausschließlich No- vellen, in denen er das alltägliche Leben anhand kleiner, aber typischer Situationen sprachlich genau und hintergründig schildert. In seiner Heimat Dänemark ist er längst ein moderner Klassiker der Erzählkunst. Er wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, u. a. 1983 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates für den Erzählband „In vierzehn Tagen“.