© litteraturverlag roland hoffmann 2011-12 Antonella Anedda Schreibende Frau Es ist der Hunger, der ihr die Kehle öffnet, ein Löffel Konsonanten, ein Spatel Knochen auf dem Gaumen. In diesen Stunden verwandelt sie sich, vom Tischrand bis zum Schrank verschlingt der Leib sich selbst im Reflex. Ringsum kreisen Fledermäuse, ein blindes Schwirren, es verbindet sich mit dem Klopfen ihrer Fingernägel auf den Tasten. Wenn sie die Augen schließt, löst sich das Zimmer auf. Dann entdeckt sie, woher das Entsetzen kommt. Vom Nagel im Baumstamm gestern, vom Pilz, der nachts explodierte, von einem gewaltigen Braun. Donna che scrive È la fame che le apre la gola: un cucchiaio di consonanti, una spatola di osso sul palato. In quelle ore si trasforma dalla sponda del tavolo all’armadio il corpo mangia se stesso nel riflesso. Intorno ruotano i pipistrelli uno stridere cieco che si unisce al suo battere di unghie sopra i tasti. Se chiude gli occhi la stanza si scompone. Allora scopre da dove viene il terrore. Dal chiodo dentro il tronco dell’albero di ieri dal fungo esploso di notte di un enorme marrone. Dieses Buch bestellen Antonella Anedda ... ist eine der bedeutendsten poetischen Stimmen Italiens - nach Lektüre des Bandes durchaus verständlich. eine Entdeckung und zugleich ein Leseerlebnis, diese bilder- reichen Gedichte, kreisend um existenzielle Fragen und Erfahrungen. Nils Jensen, Buchkultur, Februar/März 2011 Antonella Anedda Vom Erker des Körpers Gedichte zweisprachig Italienisch/Deutsch Übersetzt von Annette Kopetzki. 176 Seiten ISBN 978-3-940331-06-9 € 19,90 (*1958 in Rom) ist eine der ganz großen poetischen Stimmen, die Italien hat. Ihre Ge- dichte setzen sich mit philosophischen Fragestellungen auseinander und stecken voller Bilder und Metaphern. Die Sprache ihrer Poesie ist dicht und intensiv und dennoch klangvoll und bisweilen rätselhaft. Sie schreibt auch Essays und arbeitet als Hochschul- dozentin, Journalistin und Übersetzerin (Ovid, Philippe Jaccottet u. a.) Ihre Gedichtsammlung „Notti di pace occidentale“ wurde im Jahr 2000 mit dem Eugenio Montale-Preis ausgezeichnet.